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  • On media coverage

    With the ongoing siege in Sidney, it is time to reflect on the media coverage. When i turned on CNN just a couple of hours into this, they had switched to a local television station in Australia. They didn’t know that much about the incident either, but that didn’t kept them from speculating. At that point it was unclear if the hostage taker wanted to speak to the australian prime minister. One of the correspondents made that very clear. In his next sentence, that same correspondent started to think about what the prime minister may be saying to the unknown gunman. This sort of „what if“-journalism is like a modern virus.

    Thinking back to the time when i started in journalism, there was one strict rule forced into my head: journalism is about reporting, you don’t speculate, you don’t judge, you only report what is happening. But this rule seems to be more and more forgotten. The most important thing nowadays is attention. When CNN switched back to its own reporters, one of them started to tell how many SWAT police officers were at the scene. And where they are located around the café in Sydney. On live television, accessible from all around the world – including one particular cafe in Downton Sydney.

    Here in Germany, the media has learnt its lesson during the hostage-taking of Gladbeck in 1988. Do we really need another incident like that to come back to a much more grounded news coverage? A coverage that doesn’t need to sell "exclusive" informations regardless of the price. And don’t forget: the Islamic State seems to be a terrorist organization that survives on worldwide attention. When the media turns a dramatic, but local hostage situation into a worldwide event, it will cause more and more incidents like that.

    In Germany we call this the Werther-effect: In 1774, Johann Wolfgang von Goethe published a story on a young man called Werther who commited suicide because of a failed romance. In the following years more and more young people killed themselves – just like their fictional role model. Blowing up local stories to unjustified proportions makes it only more attractive for religious extremists to copy those events.

    As a side note, you may think about CCTV and how places with an all-embracing surveillance are becoming prime targets for those criminals, who want and need public attention. You may argue that CCTV helps to identify the criminals, but people who are willing to commit suicide during a terrorist attack are not affraid of being identified. They want their faces, their actions and their crimes broadcasted in high definition around the globe. So maybe we should think about two things: Not paying that much attention to criminals whose „fame“ only depends on our attention and getting back to a more reliable reporting without all the speculations.

  • Was noch gesagt werden muss: Kino

    Von den wirklich Blockbustern habe ich nur GUARDIANS OF THE GALAXY gesehen und ja, der war gut. Das erhoffte Highlight war für mich jedoch ein Kunstfilm, nämlich RIVER OF FUNDAMENT von Matthew Barney. Nun wusste ich, worauf ich mich einlasse - und doch kam alles ganz anders: Es beginnt damit, dass Regisseur und Darsteller Matthew Barney Fluten aus Exkrementen entsteigt und sich, mit Kot besudelt und in Stahlarbeiter-Klamotten steckend, von einem Herrn mit goldenen Glied anal penetrieren lässt und dabei Quecksilber ejakuliert. Damit herzlich Willkommen im Arthouse-Kino des Ex-Manns von Björk. Vorweg: Ich mag Barney, seine Kunst und auch seine Filme, aber...

    Die Begleitausstellung zu RIVER OF FUNDAMENT, die im Münchener Haus der Kunst zu sehen war, fand ich genial. Barney beschäftigt sich darin, wie auch im Film, unter anderem mit dem Untergang des Autobauers Chrysler in Detroit. Zur gleichen Zeit fand in Bochum das große THIS IS NOT DETROIT-Projekt statt. Gemeinsam mit Urbane Künste Ruhr wollte das Schauspielhaus dabei ergründen, wie man Bochum davor bewahren kann, nach dem Ende von Opel in Bochum (5.12.14) in eine ähnliche Schockstarre zu verfallen wie es in Detroit passiert ist. Denn Detroit ist inzwischen das Synonym einer toten Stadt. Barney kommentiert die Situation genial mit wenigen Kunstwerken. In Bochum hingegen hat es ein ganzes Jahr voller Kunst, Theater und Performances nicht einmal ansatzweise auf das Niveau von Barney gebracht. Das also rechne ich ihm hoch an.

    Doch mit seinem Film hat er dieses Mal daneben gegriffen. Weil er einfach zu viel will. Der Fluss des Fundamentalen ist Oper und Musical, Verfilmung eines Romans von Norman Mailer und biografischer Film über ihn, Abgesang auf Chrysler und die Autoindustrie. Das wäre schon in gewöhnlichen Filmen zu viel, doch weil Barney schließlich filmischer Philosoph ist und von gewöhnlichen Narrativen nicht viel hält, spielt die metaphysische Komponente von Mailers ANCIENT EVENINGS natürlich auf allen Ebenen eine tragende Rolle. Was in vielen anderen Filmen Barneys gut geht, steigert sich hier in überkomplexer und überfordernder Weise. Da können auch die genialen Bilder und die wirklich brillanten Chrysler-Szenen nicht mehr viel retten. Am Ende habe ich nach 2/3 des Films - also immerhin geschlagenen 4 Stunden - kapituliert.

    Umso schöner war das Erlebnis, das ich auf der Berlinale hatte: DAS FINSTERE TAL, auf den ich wirklich sehr gehofft hatte, erwies sich - wenn auch mit kleinen Einschränkungen - tatsächlich als wunderbarer Alpen-Western. Und auch PRIDE, den ich mehr zufällig gesehen habe, empfand ich als gelungene Unterhaltung. Allerdings muss man zugeben, dass der britische Film über Homo-Rechtler und Bergarbeiter-Streiks auch die richtigen Knöpfe zu drücken weiß. Insofern darf man dem Drehbuch durchaus vorwerfen, emotional manipulierend und perfekt auf seine Zielgruppe zugeschnitten zu sein - aber wen schert das, wenn am Ende ein gut gefüllter Kinosaal einfach mal geschlossen weint? Das heißt immerhin nichts anderes als "Mission erfüllt!"

  • Was noch gesagt werden muss: Musik

    Das Jahr neigt sich dem Ende entgegen und eigentlich müsste ich jetzt Listen tippen. Also diese berühmten Jahres-End-Irgendwas-Top-Listen. Einziges Problem: Ich komme wohl in keinem Bereich auf eine ordentliche Top5. Zu wenig Alben gekauft, zu wenig Konzerte gesehen, zu selten im Kino gewesen. Aber immerhin reicht es für ein paar Bemerkungen...

    Für mich war in diesem Jahr eigentlich nur ein Album wichtig: LAMENT von den Einstürzenden Neubauten. Auch wenn Blixa Bargeld das Wort "Konzeptalbum" nicht hören will - es ist eines. Explizit geschrieben für einen Auftritt zum Weltkriegsjubiläum in Diksmuide, beschäftigen sich die Neubauten auf dem Album mit der Musik einer schwarzen Armee-Band, Tonaufnahmen aus alten Archiven und Texten aus dem Ersten (und Liedern aus dem Zweiten) Weltkrieg. Das Ergebnis ist sperriger als gewöhnliche Neubauten-Alben und erfordert schon ein wirkliches sich mit dem Inhalt beschäftigen wollen. Im Wesentlichen ist LAMENT ein Werk, das eine performative Aufführung erfordert.

    Denn erst im Live-Konzert versteht man die wirkliche Tragweite dieses Albums. Dass zum Beispiel die Plastikrohre, mit denen der Beat in DER 1. WELTKRIEG erzeugt werden, für je eine der am Krieg teilnehmenden Nationen stehen, lässt sich in einem Booklet leicht schreiben. Genau das aber auf der Bühne zu sehen und gleichermaßen Ausmaß wie Vernetzung der Kriegsparteien zu begreifen, bedeutet schon einen besonderen Reflexionsmoment. Auch wirkt LAMENT live längst nicht so sperrig, weil Blixa Bargeld zwischen den Stücken über selbige erzählt und dadurch die reine Wand aus Musik gebrochen wird, Raum zum Luft holen besteht. LAMENT live in München, das war ein gutes Konzert - und eines, das einen im Nachhinein das Album ein stückweit mehr schätzen lässt.

    Ohnehin hatte ich in diesem Jahr Glück mit Konzerten. Neben den Neubauten war ich nur auf drei anderen: Patti Smith (ebenfalls in München und bereits mit einer Lobrede bedacht), Nine Inch Nails (Berlin) und Marteria (Düsseldorf). Über NIN muss man nicht viele Worte verlieren. Das Konzert war erwartungsgemäß großartig und Trent Reznor bleibt mein persönlicher Musik-Gott. Überrascht hat mich hingegen Marteria. Ich kannte zwar das ein oder andere Lied, bin aber nur wegen einer Einladung mitgegangen. Vor Ort war ich dann erstaunt darüber, wie politisch die Lieder von Marteria sind. Klar, mancher Song ist auch nichts anderes als ein schnödes Liebeslied und der Marsimoto-Teil ist reiner Spaß, aber in vielen seiner Lieder verstecken sich äußerst kritische Botschaften.

    Apropos Botschaften: Conchita Wurst hatte da auch eine: "We are unstoppable", sagte sie nach ihrem Sieg beim Eurovision Song Contest. Das sollte man keineswegs als Drohung verstehen, sondern als Versprechen. Denn mit dem Sieg von Conchita Wurst gelang Europa sowas wie ein kurzer Moment der Toleranz - in einer Zeit, die zunehmend homophober wird, ist das ein großer Sieg. Musikalisch kann man dem Song RISE LIKE A PHOENIX durchaus vorwerfen, dass er sich sehr stark an Adeles SKYFALL und dem BOND-Sound orientiert. Nichtsdestotrotz gehen hier Performance und Lied Hand in Hand und bilden eine Einheit, die verdient gewonnen hat.

    Ich kriege immer noch eine Gänsehaut, wenn ich das Lied höre, und ehrlich gesagt kann ich gar nicht richtig beschreiben, wie glücklich mich Conchitas Sieg gemacht hat. Überhaupt diese ganze Person: Zum ersten Mal habe ich sie bei einem unserer Wien-Urlaube gesehen, in dieser Casting-Show mit Sido. Sie hat mir gefallen, weil sie Glamour verkörpert, singen kann und dennoch ihr gesamtes Image so a-typisch ist. Vielleicht ist das ein bisschen hoch gegriffen, aber was Marlene Dietrichs Hosenanzüge waren, das ist Conchitas Bart. Übrigens mag ich auch die neue Single HEROES sehr. Weil sie so furchtbar pathetisch ist und man sie sofort mitsingen kann. In diesem Sinne: "They can never break us"

  • Lanz, Koch und ein bisschen Ideologiekritik

    Die letzte Sendung "Wetten dass..?", zu Gast auf der Couch auch der Mann, dessen tragischer Unfall vor vier Jahren das Ende der Show eingeläutet hat: Samuel Koch. Ob der Unfall für ihn nachträglich betrachtet etwas sinnvolles gehabt habe, will Markus Lanz von Samuel Koch wissen. Zwei, drei Sekunden fragt man sich, ob Lanz das gerade wirklich gesagt hat. Ja, hat er. Nicht im Scherz, sondern als ernstgemeinte Frage. Fassungslosigkeit ist noch die höflichste Reaktion, die man daraufhin verspürt.

    Auch weil die auf die Frage erhoffte Antwort keineswegs einer Absolution der Show gleichkommen soll. Lanz meint sie, das merkt man, wahrhaftig. Und genau das ist das Problem. Denn der Frage nach der Sinnhaftigkeit in einem Ereignis, das für immer an den Rollstuhl fesselt, liegt ein völlig falsches Verständnis von Behinderung zugrunde. In Lanz katholisch geprägtem Denken manifestiert sich der Wunsch nach einem Erweckungsmoment in der Tragödie, dem lichten Moment im dunklen Tal. Dass ein Mensch einfach grundlos "verkrüppelt" und damit mehr oder minder "okay" lebt, liegt außerhalb dieser Denkweise. Behinderte müssen - das ist die unausgesprochene Forderung dieser Denkweise - quasi im Ausgleich bessere Menschen sein.

    Der Grund dafür liegt in einer Umkehr der Scham: Wer besser ist als die Anderen, muss nicht bemitleidet werden. So wird Bewunderung über eine besondere Leistung oder einen Erkenntnismoment getauscht gegen das peinliche Gefühl, sich mit einem Menschen mit Behinderung beschäftigen zu müssen. Als weiteres Beispiel dafür darf die Wette mit dem blinden Kandidaten gelten. Als der leichtfüßig die Showtreppe hinuntergeht, ist Lanz das einen bewundernden Kommentar wert. Was höflich wirkt, ist schlichtweg falsch, weil es unterstellt, dass Blinde sich nicht sicher in einem bestimmten Umfeld bewegen können.

    Während der Blinde also für seine tollen Leistungen bewundert wird, geschieht zugleich etwas paradoxes: Dort, wo seine Behinderung unangenehm wirken könnte, wird jede Erinnerung an sie getilgt. Statt mit der Kamera seine blinden Augen zu zeigen, setzt Lanz seinem blinden Kandidaten eine blickdichte Brille auf. Vielleicht hat man sich in der Redaktion gedacht, man könne den Kandidaten so den anderen, nicht-behinderten gleichstellen. Vielleicht ist es aber auch genau der Ausweg, den man brauchte, um sich nicht mit der Blindheit in einer Weise beschäftigen zu müssen, die fernab jeder Bewunderung liegt.

    Gleiches gilt für den Auftritt von Samuel Koch. Im Gegensatz zu allen anderen, kommen er und sein Begleiter Til Schweiger nicht über die Showtreppe in die Halle, sondern über die Seitenbühne. Auch der Moment, in dem er aus dem Rollstuhl gehoben und auf die Couch getragen wird, ist in der TV-Übertragung aus Nürnberg nicht zu sehen. Warum nicht? Wer darauf mit "Weil man die Würde Kochs wahren wollte" antwortet, dem darf man als Gegenfrage stellen: "Was ist an einer Alltäglichkeit würdelos?" Was hier passiert, das ist der Versuch all das auszublenden, was das Leben mit einer Behinderung so behindernd macht. Das Leben mit Behinderungen ist ein umständliches, aber es ist für die Menschen, die damit täglich leben, eben auch ein alltägliches. Es ist nichts, für das man sich schämen müsste und nichts, wo man wegschauen müsste. Dass Koch vom Rollstuhl auf die Couch getragen werden muss, sollte uns allen zumutbar sein - eben weil daran nichts peinlich ist.

    Wir leben in einer Gesellschaft, die größtmögliche Inklusion erreichen will. Die beiläufigen Bemerkungen und Interviewfragen, die Markus Lanz in dieser letzten Sendung "Wetten dass..?" fallen ließ, und die Schnitte, die man in bestimmten Szenen wählte, deuteten aber an, dass vielen Menschen der "normale" Umgang mit Menschen mit Behinderungen noch wahnsinnig fremd ist. Krankheiten, Unfälle und Tragödien sind willkürlich und haben keinen Sinn und Menschen mit Behinderungen sind nicht besser, aber auch nicht schlechter als alle anderen - wenn wir alle das mal einsehen könnten, wären wir einer inkludierenden Gesellschaft schon ein gutes Stück näher.

  • Ein Gefühl

    Ich weiß gar nicht so genau, warum ich mich eigentlich in München so wohl fühle. Aber ich habe eine Ahnung. Auch wenn sie natürlich weit hergeholt sein könnte. Denn in München überkommt mich ein Gefühl, das mir aus Wien sehr vertraut ist. Es ist die Schnitzlerhaftigkeit. Insbesondere ist das natürlich ein Gefühl aus der Josefstadt, wo man durch die Gassen läuft und die „Traumnovelle“ atmet. Aber es setzt sich in ganz Wien fort – vorausgesetzt man überquert nicht die Donau. Das Schnitzlerhafte lässt sich also als ein Gemütszustand beschreiben, bei dem man sich unwillkürlich hineingesogen fühlt in ein literarisches Werk und denken will, ein Teil dieser fiktiven Parallelwelt zu werden. Es ist wie eine geistige Zeitreise, eine Entrückung.

    In einer Stadt, die deshalb eine der schönsten der Welt ist, weil sie nach dem Krieg ziemlich überzeugend restauriert wurde (und in der man sich mittels Tafeln geradezu verschämt an jenen Häusern entschuldigt, an denen dies nicht geschehen ist), ist das natürlich sehr einfach. Aber auch in München funktioniert das gut. Freilich mit gewissen Einschränkungen, denn einen Schnitzler sucht man hier vergebens. Dafür hat München jedoch dank Thomas Mann ein Leuchten attestiert bekommen, das auch heute noch Bestand hat. Selbst an grauen Wintertagen.

    Das Leben hier ist kein einfaches – gerade in finanzieller Hinsicht kann einen diese Stadt ausbluten. Aber es ist eines mit Stil. Und jener Attitüde, die den Bayern auch gerne mal negativ ausgelebt wird. Man ist sich in München sehr bewusst, dass man München ist und lässt das auch jeden spüren. München ist eitel und selbstverliebt, arrogant und oft auch piefig – aber gerade das bildet in dieser teils rekonstruierten, teils ihrer baulichen Substanz durch einen missverstandenen Wiederaufbau beraubten Stadt die Basis für die Schnitzlerhaftigkeit. Sie schlummert hier in den Köpfen der Menschen, die im Streben nach der Moderne das Gestern nicht aufgeben wollen.

    Konservativ klingt heute so despektierlich. Dabei konservieren ihre Bewohner nur etwas, was überhaupt erst so viele Künstler und Intellektuelle in diese Metropole gelockt hat. Dass diese Münchener Haltung letztlich auch der Grund war, warum diese Stadt „Hauptstadt der Bewegung“ wurde, darf nicht ignoriert werden. Doch genau diese Ambivalenz, die Hochkultur einerseits und der Abgrund andererseits, sind die beiden Pole, zwischen denen sich überhaupt erst die Spannung dieser Stadt entwickeln kann.

    Vor einem halben Jahr sagte mir jemand, ich wäre in dieser Stadt schon angekommen – und dabei würde ich hier noch gar nicht wohnen. Jemand anderes war überrascht als ich sagte, dass ich in wenigen Tagen wieder nach Hause ins Ruhrgebiet fahren würde – man nahm mich schon als Münchner wahr. Mir ist diese Stadt, die ich erst seit anderthalb Jahren kenne, schon zur zweiten Heimat geworden. Eine unvorhersehbare Entwicklung. Aber keine, die mir unangenehm wäre.

    Und doch ist das alles egal. Befindlichkeiten sind letztlich nichts wert, wenn man sie mit niemanden teilen kann. Deshalb braucht es Freunde, die am eigenen Leben teilnehmen, wie man an ihrem. Einer dieser Freunde ist gerade im Krankenhaus und kämpft um sein Leben. In der vergangenen Woche brach in seiner Woche ein Brand aus – ausgelöst durch einen technischen Defekt. Der Freund schlief und erlitt eine schwere Rauchvergiftung. Wohl buchstäblich in letzter Sekunde wurde er gerettet und liegt nun auf der Intensivstation. Die Wohnung ist nicht mehr bewohnbar und auch ein Großteil seines Besitzes ist vernichtet.

    Angesichts dessen fühle ich mich sehr hilflos. Ein Gefühl, das mir nur allzu bekannt ist. Vor einigen Jahren erkrankte ein Freund von mir schwer und wäre beinahe gestorben. Vielleicht sage ich es viel zu selten, aber ich bin überglücklich, dass es der Freund damals schaffte. Ich wünsche mir, dass es sich jetzt, bei diesem anderen Freund, auch so fügen wird. Und dass ich irgendwann mit ihnen ein Stück von dieser Zufriedenheit teilen kann, die ich in München verspüre. Ich bin dankbar, dass ich euch in meinem Leben habe – und ich will das nicht missen. Noch nicht.

  • Every End Is A New Beginning

    Es ist mehr als zwei Jahre her, dass ich die Anzeige in der Stellenbörse der Ruhr-Uni entdeckte: Die Ruhr Nachrichten in Bochum suchten freie Mitarbeiter für Tagesdienste, sprich für die Vertretung der festangestellten Redakteure. Ich passte nicht genau auf die Stelle; hatte zwar Erfahrung, aber nicht die richtige. Folgerichtig bekam ich die Stelle nicht - dennoch engagierte mich der Deskleiter Thomas Aschwer als "normaler" freier Mitarbeiter - also als einen, der im Auftrag der Redaktion am Abend oder am Wochenende Termine übernimmt und kleinere Texte schreibt.

    Ungefähr vier Monate lief das so. Ich verdiente überschaubares Geld und lernte ein bisschen dazu. Viel war es nicht, aber genug um mein Profil ein wenig zu schärfen. Im Januar 2013, HerrR und ich waren auf dem Rückweg von der Ausstellung über Schwarze Romantik in Frankfurt am Main, bekam ich einen Anruf. Die Redaktion wollte mich für den nächsten Tag testweise für einen Tagesdienst einbestellen. Ich sagte zu - und traf damit eine der besten Entscheidungen meines Lebens.

    Am Anfang, das gebe ich gerne zu, fiel mir die Arbeit in der Redaktion nicht immer leicht. Ich fühlte mich keineswegs überfordert, aber wenn man auf einmal zum Teil eines Redaktionsteams wird, dann ist das doch ein ganz anderes Arbeiten als das, das ich bis dahin gewohnt war. Nach und nach übernahm ich immer mehr Tagesdienste, wurde fester Bestandteil der Redaktion und lernte, lernte, lernte. Nicht alleine nur durch die Kollegen, bei denen ich mich wunderbar aufgehoben fühlte, sondern auch durch den täglichen Umgang mit Pressestellen und den Menschen von der Straße; denen, die einem etwas verkaufen wollen und jenen, denen man alles aus der Nase ziehen muss.

    Ich lernte Pressesprecher kennen, mit denen ich mich nie anfreunden konnte und solche, mit denen ich am liebsten bis zum Ende meiner Tage zusammen gearbeitet hätte. Die Erfahrungen, die ich in der Bochumer Lokalredaktion gemacht habe, will ich nicht missen. Auch wenn mancher Tag stressig war, ich in mancher Woche in meiner Freizeit einfach nur noch pausenlos schlafen wollte. In diesem Team bin ich gewachsen, in diesem Verlag zu dem gemacht worden, was ich heute bin: ein freier Journalist mit einem gut gefüllten Auftragsbuch. Natürlich gilt das mit Einschränkungen. Aber an dieser Stelle will ich nicht päpstlicher sein als der Papst. Denn heute, es ist Donnerstag, der 30. Oktober, ist ein rührseliger Tag. Heute wird in der Lokalredaktion Bochum die letzte Ausgabe produziert.

    Denn auch an Bochum geht die Medienkrise nicht spurlos vorbei. Die wirtschaftliche Lage, die Entwicklungen in der Medienbranche, sie zwingen den Verlag zu einer Entscheidung, die wohl auch der Chef-Etage nicht leicht gefallen ist. Nun bedeutet die Schließung in Bochum nicht das entgültige Aus. Eine Lokalseite wird es weiterhin geben. Produziert im eigenen Verlag, ohne fremde Inhalte. Auch ich werde (vorerst) für diese Seite schreiben. Ein stückweit freue ich mich auf diese Arbeit. Weil sie neue Herausforderungen mit Altbewährtem mischt. Trotzdem ist heute ein Tag, an dem ich sentimental bin. Weil eben nicht alle Menschen diesen nächsten Weg mit mir gehen werden. Weil ich mich von vielen verabschieden werde und weil ich selbst nicht weiß, was die Zukunft noch für mich bereit hält.

    Es ist ein Tag, der eine Zäsur markiert. Und wenn wir heute Abend zum letzten Mal die verdammten Neonröhren ausschalten, werde ich vielleicht auch die ein oder andere Träne verdrücken müssen. Zu sehr hab ich die Menschen in dieser oft sehr fordernden, aber genauso wohligen Redaktion lieb gewonnen. Aber auch wenn ich euch vermissen werde, möchte ich uns allen eines mit auf den Weg geben: every end is a new beginning. And never forget where you've come here from!

  • Das sichere Pflaster – Die Altstadtwache der Polizei München

    Egal ob Anna Netrebko auf der Bühne der „Oper für Alle“ steht oder die CSD-Parade durch die Altstadtgassen zieht – immer sind die Beamten der Polizeinspektion 11 mit dabei. Rund 200 Polizisten sorgen in der Münchener Innenstadt für Sicherheit. Eine Aufgabe, die sich durchaus von der Arbeit in anderen Dienststellen unterscheidet.

    „Eine Besonderheit bei uns ist, dass wir überwiegend zu Fuß unterwegs sind“, sagt Hauptkommissarin Michaela Baschwitz. Denn der Zuständigkeitsbereich der Inspektion 11 umfasst den Bereich innerhalb des Altstadtrings. Dort dominieren die Fußgänger, während sich der Autoverkehr weitestgehend auf die Zu- und Abfahrten zu den Parkmöglichkeiten beschränkt. „Es gibt daher bei uns auch nicht so viele Verkehrsunfälle“, so Baschwitz. Wenn Autos involviert seien, dann meistens wegen Blechschäden, die beim Ein- und Ausparken entstanden sind.

    Wesentlich häufiger werden die Polizisten zu Ladendiebstählen gerufen. Dass in München hauptsächlich hochpreisige Marken vertreten sind, macht dabei jedoch keinen Unterschied: „Wir stellen dort keine besondere Häufung fest. Geklaut wird in allen Preissegmenten“, sagt die Polizistin. Zu den Opfern von Dieben gehören jedoch nicht nur Geschäfte, sondern auch Touristen. Alleine im ersten Quartal 2014 besuchten 1,3 Millionen Menschen die bayerische Landeshauptstadt. „Gemessen an der Menge an Besuchern, passiert in München eigentlich recht wenig“, sagt Baschwitz.

    Dabei gibt sie zu bedenken, dass nicht unbedingt jeder Taschendiebstahl zur Anzeige gebracht wird. „Und nicht jede Anzeige wird immer in der Altstadtwache gefertigt.“ Dennoch ist München für die Beamtin ein sicheres Pflaster. Das merke man auch an den Problemen, mit denen die Touristen auf die Polizisten zukommen: „Die häufigste Frage, die wir hören, ist die nach dem Weg“, sagt sie. Dass die Beamten dabei oft von ausländischen Gästen angesprochen werden, die kein Deutsch sprechen oder verstehen, stellt für die Münchener Polizei kein großes Problem dar. „Heute kann jeder ein paar Brocken Englisch. Und wenn nicht, dann kann man sich immer noch mit Handzeichen verständigen.“

    Trotzdem ist man sich bei der Polizei der internationalen Gäste bewusst. „In der Ausbildung wird auch Wert auf Fremdsprachenkenntnisse gelegt“, so Baschwitz. In dringenden Fällen stehen zudem Dolmetscher zur Verfügung. Die teilen sich jedoch alle Münchener Polizeidienststellen. Die für die Innenstadt zuständige Wache findet man derzeit noch in dem zur Löwengrube zugewandten Teil des Präsidiums. Doch bald steht der Umzug in die alten Räumlichkeiten an der Hochbrückenstraße an. „Die wurden seit Anfang 2012 saniert. Deshalb mussten wir umziehen“, sagt die Hauptkommissarin.

    Für die Menschen, die tagtäglich durch Münchens Straßen strömen, wird das keinen Unterschied machen. Denn die Schwerpunkte der Polizeipräsenz verteilen sich gleichmäßig auf den Innenstadtbereich. Nur bei größeren Versammlungen konzentriert sich die Arbeit der Polizei stärker auf die jeweiligen Plätze wie den Stachus oder den Marienplatz. Doch selbst bei solchen Veranstaltungen bleibt es weitestgehend friedlich. Und selbst wenn man dem Schluss der Wiesnzelte noch zigtausend Oktoberfest-Besucher in die Innenstadt strömen, wird es für die Beamten der Inspektion 11 nicht stressig, wie Baschwitz erklärt: „In München wissen sich alle zu benehmen.“

  • Konzert: Patti Smith in München

    Patti Smith und ich, wir haben eine gemeinsame Geschichte. Die des ständigen sich Verpassens. Es gab schon viele Gelegenheiten, bei denen ich Patti Smith hätte sehen können – und das wollte ich schon immer -, aber irgendwie kam es nie dazu. Jetzt aber ist alles anders.

    Vielleicht liegt es an diesem sie seit Jahren sehen wollen, wahrscheinlich aber doch eher an ihrem Auftritt selbst, dass ich mich innerlich nun sehr zufrieden fühle. Es war ein Abend, der gut, aber unspektakulär begann. Patti Smith kommt auf die Bühne, singt das erste Lied – alles ist gut, aber nichts ist groß. Dann kommt „Dancing Barefoot“ und die Menge in der ausverkauften Alten Kongresshalle explodiert zum ersten Mal. Ab diesem Moment ist klar: Jeder hier ist heiß auf diesen Abend, auf Patti Smith und ihre Lieder.

    Es folgen intime Momente und Minuten, in denen man einfach nicht still stehen kann. Immer wieder sucht die große, alte Dame die Nähe zum Publikum. Irgendwann wird sie einem Teenager Ohrenstöpsel geben. Weil „so much fucking noise“ nichts für Heranwachsende ist. Sie wird eine Ballade singen über Fritz Gerlich, Widerstandskämpfer und im Zuge des Röhm-Putsch ermordet. Es wird einer der vielen Gänsehautmomente sein, weil das Lied als Ballade über eine Prinzessin beginnt und sich dann die Märchenwelt ganz langsam und extrem geschickt in das München des Dritten Reichs wandeln wird.

    Das Publikum liebt sie dafür – und sie genießt diese Liebe, erwidert sie. Natürlich singt sie an diesem Abend auch viele Lieder aus ihrem Standard-Repertoire. „Because the Night“, „Rock’n’Roll Nigga“, „Gloria“. Das wollen die Menschen hören, Patti liefert es und doch – etwas ist anders. Es sind keine tausendfach heruntergespielten Arrangements, die Smith und ihre Band routiniert zum Besten geben. Das mag zwar so sein, aber es gelingt den Musikern, dass es sich nicht so anfühlt. Jeder Song klingt wie eigens für diesen Abend ausgewählt, wie ein Geschenk ans Publikum.

    Knapp zwei Stunden wird die fast 70-Jährige am Ende gespielt haben, über die Bühne gewirbelt sein und mit stimmlicher Kraft beeindruckt haben. Zwei Stunden, die sehr glücklich gemacht haben. Weil Smith für einen fast schon magischen Abend gesorgt hat. Hier in München ist sie kein Relikt einer längst vergangenen Zeit, keine Ikone, die man einmal gesehen haben sollte. Hier in München ist sie das Leben in Person, kämpferisch, politisch und hungrig nach so viel mehr. Ginge es nach der Energie dieses einen Abends, müsste man ganz klar sagen: her best days are yet to come.

  • Chaos

    thunderstorm

    Nach einem so schweren Unwetter, wie es das Ruhrgebiet am Pfingstmontag erlebt hat, ist es schwer den Überblick zu behalten - auch für uns Journalisten. Das beste Beispiel dafür liefert die aktuelle Situation rund um die Bahn. Hunderte Kilometer Oberleitung wurden zerstört, Züge hängen auf offener Strecke fest und Bäume blockieren die Gleise. Da ging verständlicherweise nichts mehr. Seit Montag ist der gesamte Zugverkehr im Ruhrgebiet zusammengebrochen. Und die Frage, die jeden interessiert, lautet verständlicherweise: Wann geht es endlich wieder weiter?

    "Heute", lautete die Antwort unserer Kollegen von der anderen, großen Lokalzeitung in Bochum. Am Nachmittag titelten sie Online erfreut, dass es in Bochum wieder vorwärts ginge und der Regionalexpress endlich wieder fahren würde. Zur gleichen Zeit recherchierten wir der Sache noch hinterher - und bekamen von der Bahn vollkommen andere Informationen erteilt. Also schrieb ich einen Artikel, der das genaue Gegenteil des anderen Artikels aussagte.

    Doch wie das immer im Leben so ist: Inzwischen hat sich herausgestellt, dass die Wahrheit irgendwo in der Mitte liegt. Doch offenbar ist den Kollegen ihr Fehler ein wenig früher aufgefallen und so könnte er noch vor dem Druck bewahrt worden sein. Mir ist das leider erst zu spät aufgefallen. Nun kann ich mich aber immerhin damit trösten, dass die Kollegen immer noch eine Falschinformation verbreiten - die bei mir wiederum von Anfang an richtig zu finden war.

    Dafür können die Kollegen jedoch nichts. Denn aktuell ist es einfach sehr schwer, bei all den verschiedenen Informationen, die sich zudem teils minütlich ändern, den Überblick zu behalten. Wir Journalisten sollen ja für den Leser das Chaos der Informationsflut ordnen und eine Orientierung schaffen. An manchen Tagen aber ist auch uns das nicht möglich. Zum Beispiel dann, wenn zwei verschiedene Mitarbeiter des gleichen Unternehmens zwei verschiedene Infomationen raushauen. Doch auch dafür muss man in diesen Zeiten noch Verständnis haben. Es ist eben auf allen Seiten nicht leicht nach so einem Jahrhundert-Sturm.

  • La dolce vita

    Südtirol

    Südtirol

    Alle Fotos bei Flickr.

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