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  • La dolce vita

    Südtirol

    Südtirol

  • Eine kleine Geschichte

    Robert war eigens für das Starkbierfest aus Preussen in die bayerische Landeshauptstadt gereist. Das Fest im Frühjahr war wohl sowas wie der kleine Bruder des Oktoberfests - gemütlich, überschaubar, aber nicht minder bierselig. Nun begab es sich, dass Roberts Vorliebe für Männer ihn zum schwulen Sonntag im Augustiner trieben. Eine Veranstaltung, die in München wohl in gewissen Kreisen recht berüchtigt ist. Doch weil er keine Scheu kannte, machte sich Robert zeitig in Richtung des Augustinerkellers auf. Dort sollte das bunte Treiben stattfinden. Als er den großen Bau erreichte, musste Robert allerdings erst einmal schmunzeln. Denn die Definition von Keller war in Bayern wohl eine ganz andere als im Rest der Welt.

    Auch drinnen nahm die Verwunderung nicht ab: Ein Saal voller Männer in Tracht blickte Robert entgegen. Ein Gefühl der Euphorie durchzog seinen Körper und so mischte er sich unter die Menge. Gleichsam ein distanzierter Beobachter wie ein assimilierter Besucher. Doch diese scharfe Trennung, die Robert so sehr an sich schätze, sie hielt nicht lange. Als die Schwuhplattler auf die Tische zu springen begannen, schaute er sich um. Ein Heer von Kameras fotografierte und filmte jede Sekunde des Auftritts. "Warum genießen die Menschen das nicht ungefiltert", fragte er sich, nicht bemerkend, dass er selbst sein Smartphone aus der Tasche nestelte. Erst als er zwei, drei Bilder geschossen hatte, wurde ihm die Widersprüchlickeit seines Handelns bewusst. Verschämt legte er sein Telefon wieder weg und blickte abermals ins weite Rund des Augustinerkellers.

    Gay Sunday at Starkbierfest 2014

    Nicht weit entfernt, nur drei Tische, blieb sein Blick an einem Kerl haften. Es war nicht die kecke Art, wie er seinen Hut trug, die Robert begeisterte. Und während er darüber nachdachte, was ihn so faszinierte, erloschen die Lichter im Saal. Aus dem Dunkel brach sich ein Sommertag Bahn. Robert stand auf einer Wiese und beobachtete ein Schauspiel ein paar Meter vor ihm. Ein Hengst sollte durch ein Gatter geführt werden, aber er weigerte sich beharrlich. Mit einem Mal stieg das Tier auf und wollte sich losreißen. Mit schier unbändiger Kraft legte sich der Hengst in das Lederzeug. Doch es bewegte sich kein Stück. Wie an einen Baum gebunden schien das Pferd machtlos gegen die Stärke seines Besitzers.

    Erst jetzt erkannte Robert, dass es eben jener Kerl war, den er im Bierkeller so bewundernd angeschaut hatte. Seine ganze Physis, bemerkte Robert jetzt, war keineswegs die eines im Sportstudio trainierten Muskelmannes, sondern die eines durch Arbeit zur Kraft geratenen Mannes. Robert seufzte. Er war sich bewusst, dass ein solcher Kerl sich nie auf ihn einlassen würde. Und dennoch wagte er den Versuch. Als sich die Stimmung wieder beruhigt hatte, nutze er einen günstigen Moment. Denn der Kerl war inzwischen aufgestanden und redete im Gang mit ein paar anderen Besuchern. Ganz beiläufig wollte Robert auf dem Weg zur Toillette an der Gruppe vorbei.

    Nun bemerkte der junge Preusse das volle Ausmaß seines Angehimmelten. Und die war in jeder Hinsicht eindrucksvoll. Bis hin zu dem gütigen Gesicht, dass so gar nicht zum bulligen Kerl passen wollte. Und dennoch: Die Milde in seinen Augen, die sich paarte mit einem tiefen Abgrund, versetzten Robert den letzten Schlag. Mehr als ein "Du schaust nett aus", brachte er nicht hervor. Und verschwand alsbald, noch ohne die Reaktion abzuwarten, auf dem Herren-Klo. Dort atmete er erst einmal durch. Enttäuscht über sich und zugleich erregt und verschämt. Vielleicht hätte er sich mehr trauen sollen. Aber vielleicht hätte ihn die wahrscheinliche Abfuhr zu sehr getroffen. Aber war sie wirklich so wahrscheinlich? Viel zu selten hatte Robert Vertrauen in sich selbst. Und ärgerte sich im Anschluss ungemein. Der Tag im Augustinerkeller war da keine Ausnahme.

  • Yelp Dir deine Meinung

    Ich bin, das sollte inzwischen bekannt sein, ja durchaus ein Freund der Polizei. Dennoch gibt es einige Dinge, die mich fassungslos machen. Wie die neuen Yelp-Signale. Darunter versteht mant eine neue Sirene (kombiniert mit einer anderen Lichtaufteilung) der Polizeistreifenwagen. Das Geräusch kennt man aus US-Krimis. Jedenfalls so halbwegs. Denn die neuen Sirenen in Deutschland klingen leicht anders - aber nicht "besser anders".

    Doch es ist nicht die akustische Ästetik, die mich ärgert, es sind die Kosten. Das Geld ist knapp. Auch bei den Ordnungshütern. Die Folgen sind eine schlechte Personaldecke, massig Überstunden und mangelhafte Ausrüstung. Doch statt dort nachzubessern, wo es sinnvoll ist, verhält sich die Politik wie ein 12-jähriges Teeny-Mädchen: "Es glitzert, es glänzt, ich muss es haben."

    Ich stelle keineswegs in Abrede, dass die neue Sirene Vorteile haben kann. Aber die Kosten für die Umrüstung liegen nach einem Artikel der Süddeutschen zwischen 1000 und 4000 Euro pro Streifenwagen, sich danach richtend, wie viel an der Sirene umgebaut werden muss. Das ist sehr viel Geld. Und welches, dass an anderer Stelle mehr für die öffentliche Sicherheit erreichen könnte. In Zeiten leerer Kassen muss man auf jeden Cent achten. Hoffen wir nur, dass die Hunderttausende für dieses unsinnige Prestige-Projekt nicht am Ende im Haushalt der Ordnungshüter fehlen.

  • (K)eine Herrschaft der Schwulen

    Der Text, den Sie gleich lesen werden, ist in seinen Argumenten und seiner Kernthese durchaus kontrovers angelegt. Er gibt nicht zu 100 Prozent meine eigene Haltung wieder, sondern versteht sich eher als ein Gedankenexperiment. Ein Beitrag also, der eine bestimmte Position aufgreift, die ich persönlich nicht vollends teile, aber zumindest interessant genug finde, um diese zu durchdenken. Daraus entstand ein Essay, den zu diskutieren jeder gerne eingeladen ist.

    Nichts scheint derzeit in Deutschland manche Konservative so sehr aufzuregen wie die Homosexualität. Gut, irgendwie war das wohl immer schon so, aber im Moment scheinen die Diskussion um Homo-Ehe, Adoptionsrecht und die Vermittlung von Wissen über Homo- und Transsexualität so sehr zu spalten wie vielleicht zuletzt in den 1960ern. Man kann das erkennen an der Empörung von Matthias Matussek, den Ausfällen von Sibylle Lewitscharoff und dem Anfang April erscheinenden Buch "Deutschland von Sinnen" von Akif Pirinçci. Für sie alle ist das Homosexuelle in der Gesellschaft ein Thema, das viel zu viel Aufmerksamkeit erlangt und zu sehr die sozialen, ethischen und juristischen Diskurse dominiert.

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  • Das Finstere Tal

    Ein gebrochen Deutsch sprechender Mann kommt in ein abgelegenes Alpental. Scheinbar will der Fremde mit der noch jungen Technik der Fotografie die Natur und die Menschen dokumentieren. Doch als der Winter hereinbricht und es kein Entkommen mehr aus dem Tal gibt, wird nach und nach seine wahre Mission deutlich.

    Der Western hat in Deutschland eine merkwürdige Tradition. Zwar beim Publikum immer recht beliebt, gibt es außer den Winnetou- und einigen DDR-Filmen kaum nennenswerte Beiträge zum Genre. Das ist natürlich durchaus verständlich, ist der Western doch eine zutiefst US-amerikanische Filmkultur. Dennoch ist das Western-Sujet natürlich keines, das sich nur auf die USA beschränken lässt. Die Konfrontation von Gewalt, Gesetzlosigkeit, Selbstjustiz und einsamen Rächern ist so universell, dass sich die Formel des Westerns problemlos übertragen lässt.

    Genau das macht DAS FINSTERE TAL. Basierend auf dem gleichnamigen Roman von Thomas Willmann, erzählt der Film eine Geschichte, die so auch problemlos unter der Sonne Kaliforniens spielen könnte – eben nur mit dem Unterschied, dass die Wüste durch die verschneiten Alpen ersetzt wurde. Ansonsten aber ist alles bekannt: Ein Patriarch, der seine Macht ausnutzt und seine Gemeinde unterdrückt und ein junger, einsamer Held, der als Rächer heimkehrt und dem Tal die Freiheit schenken will.

    Regisseur Andreas Prochaska erzählt diese Geschichte ganz schnörkellos. Die Aufnahmen, gedreht wurde in Österreich und Südtirol, sind schön und gelegentlich auch klug komponiert, doch nie verliert sich die Kamera in ihnen. Stattdessen inszeniert Prochaska seinen Film ähnlich nüchtern und karg, wie das Leben in dem namenlosen Alpendorf selbst ist. Das hat seine Gründe. Denn obwohl Prochaska die gelegentlichen Gewaltspitzen durchaus als sehr blutige und effektvolle Exzesse zeigt, liegt der eigentliche Schauwert des Films im Psychogramm der Dorfbewohner und ihres Retters.

    „Die Freiheit ist ein Geschenk, das sich nicht jeder gerne machen lässt“, wird irgendwann eine der Dorfbewohnerinnen sagen. Die sehr subtile und unterschwellige Darstellung dieser Ambivalenz der Dorfbewohner, die einerseits unter einem Tyrannen, andererseits aber auch ohne ihn vollkommen führungslos wären, ist eine der Stärken des Films. Ohnehin ist der Film voller überzeugender Momente. Das beginnt schon mit dem Spiel von Sam Riley, der hier den wortkargen Fremden gibt und geht über eine geradezu erdrückende Hochzeit bis hin zum spannenden Finale.

    Allerdings ist der Film keineswegs perfekt. Manchmal ist die Musik anachronistisch modern. Dann spielt Andreas Prochaska ein bisschen das Tarantino-Sein. Und wenn ganz am Ende die Musik gar geradezu elektronisch-sphärisch wird, wähnt man sich in einem Ösi-Verschnitt von DRIVE. Das sind die Momente, die merkwürdig wirken, weil sie ein wenig aus dem ansonsten doch sehr kohärenten Historienfilm herausfallen. Aber sie sind glücklicherweise nicht merkwürdig genug, dass sie stören. Dennoch: Ohne wäre es besser gewesen.

    Das gilt auch für die Rolle des Schmieds. Der wird gespielt vom deutschen Strongman Heinz Ollesch, der wie geboren für so eine Rolle scheint. Wie ein brutaler Riese aus einem Schauermärchen setzt sich der Muskelprotz Sam Riley entgegen – und ist nach wenigen Minuten bereits wieder von der Bildfläche verschwunden. Damit unterläuft DAS FINSTERE TAL natürlich die Erwartungshaltung seiner Zuschauer, dennoch wirkt Ollesch mit diesem kurzen Auftritt recht verschwendet.

    Immerhin empfiehlt er sich mit seiner Leistung für die Rolle des Schmieds von Kochel – was natürlich voraussetzt, dass jemand mal die Sendlinger Blutweihnacht verfilmt. Denn die ist der Stoff, der nach DAS FINSTERE TAL nur folgerichtig wäre. Schließlich ist es wünschenswert, wenn dieser gelungene Genre-Beitrag nicht als Solitär in der deutschsprachigen Filmlandschaft steht, sondern eine Welle des Alpenwestern einläutet. - 8,5/10.

  • Kino-Links

    Momentan passiert ja auf diesem Blog eher wenig in Sachen Kino, daher muss ich einfach mal auf meine Texte auf anderen Seiten verweisen. Für das Manifest habe ich mir ZWEI VOM ALTEN SCHLAG angeschaut. Für die Ruhr Nachrichten Bochum habe ich mich wiederum mit Peter Thorwarth über seinen neuen Film NICHT MEIN TAG unterhalten und ein paar Tage später habe ich dann über die Premiere des Films in der UCI Kinowelt im Ruhr-Park geschrieben.

  • Heldentheater Friedberg: "Der nackte Wahnsinn"

    Michael Frayns 1982 zum ersten Mal aufgeführte Farce „Der nackte Wahnsinn“ ist wohl eine der beliebtesten Komödien der letzten Jahrzehnte. Temporeich und mit viel Wortwitz erzählt es die Geschichte einer Theaterproduktion, die zunehmend aus den Fugen gerät.

    Das Theater, das sich selbst thematisiert. Eigentlich ein alter Hut möchte man meinen und auf Shakespeare, Goethe und viele andere verweisen. Doch während der selbstreflexive Moment der dramatischen Klassiker vor allem der Erkenntnis einer höheren Wahrheit dient, war es an Michael Frayns als einer der Ersten – oder zumindest der Besten - das Theater hinter der Bühne auf selbige zu holen.

    Natürlich ist das von Frayns beschriebene Beziehungsgeflecht zwischen den Schauspielern, Regisseur und Theatermitarbeitern ein überzeichnetes. Doch die Stereotypen, die er in seinem Stück miteinander konfrontiert, haben ihren Ursprung in der Realität. Es gibt sie nämlich wirklich, die in der Katastrophe endenden Liebeleien, die Eifersüchteleien und Streitigkeiten. Und weil vieles davon eigentlich in sich bereits unendlich ist, erscheint die Verarbeitung als Farce letztlich nur folgerichtig.

    Das Ausgangsmaterial ist also geradezu perfekt für einen unterhaltsamen Abend. Das dachte man sich offenbar auch im hessischen Friedberg und so erarbeitete sich der dort ansässige Theaterverein „Heldentheater“ das Stück für seine aktuelle Spielzeit. Für ein Laientheater ist das durchaus eine kleine Herausforderung, denn der „Nackte Wahnsinn“ ist ein verhältnismäßig komplexes Stück. Das Tempo ist hoch, das richtige Timing besonders wichtig und es verlangt zuweilen von den Schauspielern vollen Körpereinsatz.

    Aber das Heldentheater meistert diese Herausforderung mit Bravour. Schnell ist vergessen, dass man hier Laien zuschaut, so überzeugend spielen die Schauspieler ihre Rollen. Nun könnte man natürlich einwerfen, dass ein Stück voll comichaft überzeichneter Charaktere für Hobbydarsteller besonders dankbar ist, weil hier ein laienhaftes „over acting“ nicht weiter auffällt. Das aber trifft nicht zu, denn schließlich bedarf es einer feinen Justierung der Manierismen der einzelnen Rollen, damit diese trotz aller Überzeichnung noch glaubhaft wirken. Und das gelingt dem Heldentheater.

    Dessen Inszenierung wirkt organisch und dennoch in sich geschlossen. Man könnte es wohl auch einfach harmonisch nennen. Jeder Witz sitzt und nur in einer einzigen Szene ist das Zusammenspiel der Schauspieler minimal aus dem Takt. Doch auch an einer sehr guten Inszenierung kann nicht immer alles perfekt sein. Wie an Boulevardbühnen üblich, gibt es auch im Friedberger Theater nur wenige Änderungen in der Ausleuchtung der jeweiligen Akte. Das ist ein durchaus verschenktes Potential. Denn obwohl sich boulevardeske Stücke nur selten für eine klare Licht-Akzentuierung eignen, hätte eine subtile Lichtdramaturgie gewisse Stimmungen und Spannungen noch feiner herausarbeiten können.

    Doch dieser Makel verschwindet fast gänzlich hinter der beeindruckenden Leistung des Friedberger Theatervereins. Mit „Der nackte Wahnsinn“ hat sich die Truppe ein exzellentes Stück ausgesucht und es gleichermaßen exzellent umgesetzt. Bravo!

    Die nächste Aufführung gibt es am 29. März, 20 Uhr, im Bürgerhaus Niederdorfelden.

  • Die dunkelste Stunde

    Im Jahr 2014 jährt sich der Ausbruch des 1. Weltkriegs zum 100. Mal. Während der Krieg vor allem in Frankreich und England in den vergangenen Jahren immer wieder stark rezipiert wurde, findet er in der deutschen Medien kaum Beachtung. Das ist nicht nur ärgerlich, sondern auch historisch problematisch. Denn der Erste Weltkrieg ist die Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts. Ohne ihn kein Zweiter Weltkrieg, kein Holocaust, kein Kalter Krieg. Es ist daher nur richtig, dass in diesem Jahr zahlreiche Ausstellungen und Veranstaltungen in Deutschland und dem Ausland die Erinnerung an diesen Krieg wachrufen möchten.

    Auch ich möchte das an dieser Stelle einmal versuchen. Denn natürlich ist dieser Krieg auch an meiner Familie nicht spurlos vorbeigezogen. Trotzdem ist es erstaunlich, dass der immerhin vier Jahre dauernde Krieg in unserer Familie nur wenige Wunden hinterlassen hat. Eine davon trägt den Namen Ewald Conermann.

    Die Familie Conermann stammt ursprünglich aus Rheine im Münsterland (die Schreibweise ihres Nachnamens variiert je nach Amt und Generation zwischen C und K. Ich bleibe im Folgenden bei der C-Schreibweise). Es sind die 1880er als Dietrich Theodor Conermann ins Ruhrgebiet übersiedelt. In Bochum-Hamme wird er ansässig und arbeitet fortan als Anstreicher. Irgendwo in dieser sich damals erst entwickelnden Industriestadt lernt er die aus dem Stadtteil Dahlhausen an der Ruhr stammende Pauline Alma kennen. Beide heiraten am 12. Juli 1887.

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    Eine Feldkirche im Schützengraben.

    Am 13. März 1890 kommt als erstes Kind der Ehe ihre Tochter Elisabeth Laura zur Welt. Sie wird meine Urgroßmutter sein. Drei Jahre später bekommen die Conermanns noch einmal Nachwuchs (was in dieser Famile keineswegs eine Seltenheit ist. Elisabeth Laura hat insgesamt vier Geschwister). Der auf den Namen Ewald getaufte Junge erblickt am 14. Juli 1893 das Licht der Welt.

    Während sein Vater "nur" Anstreicher ist, zieht es den Sohn nach dem Abitur hinaus in die weite Welt. Er studiert Philologie in Straßburg, Münster und London. 1914 lebt er im fernen England, doch obwohl er ein Weltbürger zu sein scheint, wird sein Nationalstolz überwiegen. Offiziell beginnt der Erste Weltkrieg am 28. Juli mit der Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Serbien. Bereits am 5. August tritt Ewald als Kriegsfreiwilliger in den Dienst der Preussischen Armee und wird Teil des Niederrheinischen Füsilier-Regiments Nr. 39.

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    Das letzte Foto von Ewald Conermann aus dem Jahr 1915.

    Das Regiment ist in den ersten Kriegswochen äußerst siegreich. Es ist beteiligt an den ersten großen Erfolgen der Deutschen im feindlichen Gebiet und nimmt Lüttich und Maubeuge ein. 1915 ist das Regiment beteiligt an Kämpfen in der Champagne. Die werden Ewald zum Verhängnis. Am 17. September 1915 stirbt der Unteroffizier auf dem Schlachtfeld bei einem Angriff der Franzosen.

    Zur gleichen Zeit ist auch Ewalds Schwager Willi in Frankreich. Sogar in der gleichen Gegend. Gerade einmal rund 70 Kilometer trennen die beiden Männer. Doch während Ewald in Perthes-lès-Hurlus stirbt, überlebt der in einer Schreibstube des deutschen Militärs in Craonne arbeitende Willi und kehrt 1918 bei bester Gesundheit aus dem Ersten Weltkrieg zurück.

    Willi Siesenop

    Willi während des Krieges in Frankreich.

    Immerhin: Ewald überlebt den Krieg in der Champagne fast auf den Tag genau ein Jahr länger als August Macke. Der deutsche Maler starb bereits am 26. September 1914. Übrigens auch in Perthes-lès-Hurlus. Beide wurden auf dem dortigen Soldatenfriedhof beigesetzt.

    Für Mutter Pauline Alma war der Verlust ihres Sohnes bitter. Deshalb bestand sie auch darauf, das Grab Ewalds auf dem französischen Soldatenfriedhof zu besuchen. Diese Reise unternahm die Familie Conermann jedoch erst im Jahr 1926.

    Grave of Ewald Conermann

    Pauline Alma (links) am Grab ihres Sohnes.

  • 2013: Ein Jahr in Bildern

    Es war ein turbulentes Jahr, aber auch ein sehr intensives. Den Jahresrückblick gibt es - wie gewohnt - einfach in Bildern. Die sagen mehr als ein langer Text.

    Zugspitze

    Berliner Ansichten Berlinale
    Recherche Wintersonne

    Übung Reiterstaffel München

    Nollendorfplatz Schleppjagd

    Contemplation LaBrassBanda Kehlsteinhaus

    Extraschicht 2013Tag der Polizei Andreas Ostholt

    Death Lights on [Buckingham Palace] MarieMarie

    Leonhardifahrt 2013 mounted duty

    NachtschichtLichterfest 2013

    Chiemsee

  • Woanders lesen

    TV Watchdog Folge 27

    Für die Ruhr Nachrichten war ich unterwegs mit der Reiterstaffel der Polizei.

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