Helena Bonham Carter und Johnny Depp in einem Gothic-Horror-Film von Tim Burton, für den Danny Elfman die Musik geschrieben hat – klingt bekannt? Ist es auch. Und daran ändert auch das zeitliche Setting in den 1970ern nichts: Burton bleibt sich seiner Linie treu. Das kann man nun „irgendwie ehrlich“ finden oder es einfach mal realistisch betrachten: Der Mann ist zu seinem eigenen Klischee geworden.

Ja, zugegeben: Auch wenn die 70er-Jahre-Atmosphäre sich nur ganz selten wirklich vernünftig Bahn bricht, das Gothic-Horror-Feeling überzeugt; die Kulissen und Kostüme wirken opulent und wissen zu gefallen – sogar der ein oder andere Witz des Hausfrauenhumors sitzt. Aber ganz ehrlich: das war es dann auch schon mit den positiven Aspekten. Nicht nur, dass Depp und Conham Carter wieder die gleichen Charaktere spielen, die sie in allen anderen Burton-Filmen aufgezwängt bekommen (die schrägen, aber liebenswerten; die aus der Zeit gefallenen) und man sich nach gefühlt tausend Burton-Filmen unendlich satt an den immergleichen Schauspielern in den immergleichen Rollen gesehen hat, dieses Mal schert sich Burton gar nicht mal mehr um eine hübsche, um das Redundante konstruierte Story, sondern suhlt sich genüsslich bloß noch in dem ihm eigenen Look – und das trägt keinen fast zweistündigen Film.

Andere Filme gleicher Inhaltsleere mäandern wenigstens noch von Pseudo-Konflikt zu Pseudo-Konflikt, DARK SHADOWS trampelt stattdessen gefühlte Ewigkeiten auf der gleichen Stelle, um dann hin und wieder mal sinnlose Zeitschinderei durch völlig unsinnige Szenen zu betreiben. In einer von ihnen tritt Alice Cooper auf, der sich hier selbst in jungen Jahren spielt. Das hätte witzig sein können, doch Coopers Spiel ist furchtbar lustlos – vermutlich eine Folge der kompletten Irrelevanz seines Auftritts.

Doch DARK SHADOWS braucht eben diese Momente. Denn nur sie lenken davon ab, dass der Film eigentlich gar nichts zu erzählen hat, was sich nicht auch innerhalb eines Kurzfilms hätte sagen lassen. Dass der Film die Adaption einer Soap mit halbstündigen Folgen ist, merkt man ihm auf gnadenlose Weise an: Es gibt wirklich keinen Grund, warum das peinlich unironische Klischeefinale nicht schon nach einer Viertelstunde über die Leinwand flimmert. Aber weil Burton der Mut zu jener Kürze fehlt, die ihn einst berühmt gemacht hat, walzt er ein Häufchen narrativen Elends aus auf einen circulus vitiosus redundanter "Wendungen". Im Höllenkreis der Einfallslosigkeit wäre DARK SHADOWS ein probates Mittel zur Folter ewig Verdammter.

So wird man mit gemischten Gefühlen aus dem Dunkel des Kinosaals entlassen: Einerseits ist da das verspielte, detailverliebte, überzeugende Dekors und ein erschreckend altersloser Johnny Depp, andererseits eine inhaltliche Kärglichkeit und ein ermüdendes Stereotypentheater auf Dorffestniveau. Sehr enttäuschend.

03/10.